Ist Herbstskilauf den Aufwand noch wert?

Und was der Hambacher Forst mit Schneedepots in Kitzbühel zu tun hat.

Wenn sich Marcel Hirscher und Felix Neureuther nächstes Wochenende den Rettenbachgletscher in Sölden herabstürzen, werden wieder tausende Menschen auf den Berg pilgern und noch mehr werden ihre Stars vor den heimischen Fernsehgeräten anfeuern. Wird es diese Saison jemand schaffen, die Dominanz von Marcel Hirscher zu brechen, oder holt er sich zum achten mal in Folge die große Kristallkugel für den Gesamtweltcup?

Herbstskifahren heißt, sich den wenigen Platz auf der Piste mit vielen Trainingsgruppen teilen zu müssen

Für Sölden, aber auch für die anderen Skigebiete in Tirol oder anderswo, ist dieser Weltcup aber mehr als nur ein sportliches Highlight. Man will Lust auf die kommende Wintersaison machen; die Ausrüster wollen ihre neuesten Skimodelle und Funktionsjacken verkaufen. Jeder, der irgendwie im Wirtschaftszweig des Skitourismus engagiert ist, hofft auf schöne Bilder vom Rettenbachgletscher, um diese Lust auf den Winter zu befeuern. Am besten mit satt Schnee und Sonne zum Rennwochenende

Der Seiterjöchllift in Sölden im Herbst

In den letzten Jahren hat sich diese Hoffnung oft erfüllt. Und auch dieses Jahr könnten die Verantwortlichen Glück haben. Mitte nächster Woche könnte das endlose Hochdruckwetter von einer Kaltfront inklusive Neuschnee aus Norden abgelöst werden. Dann wäre zumindest die kosmetische Grundlage für schöne Bilder aus Sölden gegeben.

Die eigentliche Grundlage wurde jedoch schon in der letzten Saison gelegt. Die Bergbahnen Sölden betreiben hinter den Kulissen nämlich einen erheblichen Aufwand, um dieses alljährliche Spektakel auf die Beine stellen zu können.

Am Karleskogllift mit Blick ins Pitztal

Mit Planen und Schneekanonen gegen das Gletschersterben

Schaut man sich den Rettenbachgletscher heute an, so muss man leider feststellen, dass der Klimawandel hier bereits deutliche Spuren hinterlassen hat. Noch vor zehn Jahren schob sich der mächtige Gletscher in einem spektakulären Gletscherbruch über die Felsnase in der Mitte des Hanges, welche mittlerweile von Sommer zu Sommer immer weiter ausapert. Der Gletscher zerfällt langsam in seine Einzelteile und daran lässt sich kaum etwas ändern.

Ein realistischer Pistenplan des Gletscherskigebietes von Sölden im Herbst

Um zumindest den vom Skibetrieb betroffenen Hang zu sichern, haben die Bergbahnen eine schlagkräftige Beschneiungsanlage am Pistenrand installiert. Darüber hinaus versucht man, den Schnee aus dem Frühjahr mittels Planen zu konservieren, was auch erstaunlich gut funktioniert. Im Herbst wird dieser Schnee dann wieder „ausgepackt“ und mittels Pistenbullys auf der Piste verteilt. Diese Art des „Snowfarmings“ wird mittlerweile auf vielen Gletschern betrieben. Etwa im Kaunertal, auf der Zugspitze, oder im benachbarten Pitztal.

Mit viel Aufwand wird die Trasse des Brunnenkogelliftes am Pittztaler Gletscher aufrecht erhalten

Dort geht man sogar noch einen Schritt weiter und vertraut nicht nur auf die herkömmlichen Schneekanonen, welche erst ab Minusgraden Schnee produzieren können, sondern man hat in einen sogenannten Snowmaker investiert, welcher auch bei hohen Plusgraden Schnee, oder das was man dafür hält, herstellen kann. Der Schnee solcher Anlagen besteht eher aus kleinen Eisplatten, als aus Schneekristallen. Sinn macht die Produktion solchen Schnees natürlich erst ab Herbst, wenn der verteilte Schnee nicht gleich wieder wegschmilzt.

Ein realistischer Pistenplan des Pitztaler Gletschers, wie er sich im Herbst präsentiert
Blick vom Rettenbachgletscher auf den Pitztaler Gletscher

Dennoch zeigt der Aufwand, der hier betrieben wird, wie wichtig die Herbstsaison für einige Skigebiete ist.

Dieser Aufwand wird nun schon seit einigen Jahren betrieben, ohne dass sich jemand ernsthafter daran gerieben hätte. Gerade die Schneedepots die am Ende der Saison angelegt werden und teilweise mit Planen über den Sommer abgedeckt werden, haben ja auch etwas nachhaltiges an sich, wenn man dieses Modewort in dem Zusammenhang verwenden möchte. Der Schnee wird damit quasi recycelt.

Weniger Energieaufwand, als den ganzen Schnee erneut mittels Schneekanonen zu produzieren, will man meinen. Ob diese Rechnung tatsächlich aufgeht, weiß ich nicht. Es ist jedenfalls zu beachten, dass auch der Schnee für solche Schneedepots häufig extra mit Schneekanonen produziert wird. Außerdem muss der Schnee alljährlich einmal zusammengeschoben und ein weiteres mal dann wieder auf der Piste verteilt werden. Dies geschieht mit Pistenbullys, die bei ihrer Arbeit auch wieder einiges an Dieselkraftstoff schlucken.

Kitzbühel treibt es auf die Spitze

All das weil es der Gast so will. Oder weil man glaubt, dass es der Gast so will. Das war auch die Begründung der Kitzbühler Bergbahnen dafür, dass man vergleichbare Aktionen mittlerweile auch auf den Grasbergen von Kitzbühel durchführt. Seit letztem Wochenende kann man dort am Resterkogel auf 1,6 km Pisten Skifahren. Die Meereshöhe dort beträgt nicht einmal 2000m. Die Szenerie dort erinnert schon stark an die „Piefke-Saga“ und dessen ist man sich auch bei den Bergbahnen bewusst. Trotzdem hält man an der Praxis fest. Dies scheint sich sogar auszuzahlen. Zahlreiche Skiclubs und Frühstarter nutzen die Gelegenheit und müssen nun nicht extra auf die Gletscher fahren. So könnte man argumentieren, dass hiermit sogar CO2-Emissionen eingespart wurden, da die Anfahrt für die Skifahrer nicht mehr so lang ist.

Nichtsdestotrotz ist man fast geneigt zu fragen, weshalb Orte wie Kitzbühel eigentlich selbst kräftig daran arbeiten, den Skisport in Verruf zu bringen? Für ein wenig Geld mehr in der Tasche und für die Aufmerksamkeit, derer sie sich jedes Jahr aufs neue Sicher sein können, schrauben sie selbst am Niedergang des Skisports in seiner derzeitigen Form. Der Gegenwind wird merkbarer.

Der Hambacher Forst ist auch nur ein Symbol

Gerade die Deutschen werden in Umweltfragen immer sensibler. Manchmal kann schon ein Symbol ausreichen, um die öffentliche Meinung in eine Richtung ausschlagen zu lassen, mit der vorher niemand gerechnet hat.

Bestes und aktuellstes Beispiel ist der Wirbel um den Hambacher Forst, dem Braunkohletagebau westlich von Köln. Jahrelang haben sich hier nur ein paar wenige Umweltschützer gegen den Braunkohleabbau engagiert, ohne dass eine breitere Öffentlichkeit davon Notiz genommen hätte.

Aber als es nun konkret werden sollte und die restlichen Bäume des verbliebenen Waldes dem Tagebau zum Opfer fallen sollte, hat sich eine breite gesellschaftliche Bewegung gegen die Pläne des Energieversorgers und gegen alle politischen und gerichtlichen Entscheidungen der letzten Jahre aufgestellt. RWE musste im Zuge dessen mit zahlreichen Kündigungen, dem Einbruch des Aktienkurses und zu letzterem noch mit einer negativen gerichtlichen Entscheidung umgehen. Das hatte man sich auch anders vorgestellt.

Das was die Menschen gegen RWE auf die Straßen getrieben hat, ist eigentlich auch nicht mehr als ein Symbol. Der Wald, dessen Schönheit und dessen Wert die Menschen erst jetzt entdeckt zu haben scheinen, steht als Symbol für die Opfer von wirtschaftlichen Interessen, denen er nun weichen muss. Ob dieser Wald gerodet wird, oder nicht, macht eigentlich keinen Unterschied. In Deutschland findet man immer noch zahlreiche Naturschätze und etliche alte Wälder. Die Waldfläche nimmt in Deutschland sogar zu. Auch wird das Weltklima nicht gerettet, wenn RWE auf die Verstromung der dortigen Braunkohle verzichtet. Trotzdem haben die Ereignisse am Hambacher Forst dazu geführt, die Akzeptanz der Kohleverstromung und die Rodung von Wäldern für diesen Zweck, nachhaltig zu zerstören.

Wie sieht die Zukunft des Skisports aus?

Wenn man nicht aufpasst, geht es dem Skisport ähnlich. Schon länger befindet er sich im Fadenkreuz von Umweltschützern. Teilweise zu Recht. Und bald könnte er auch auf eine gesellschaftliche Ächtung zulaufen, die man sich heute noch nicht ausmalen möchte.

Abdeckung mit Planen um den Schnee über den Sommer zu konservieren

Übrigens: Es liegen bereits konkrete Pläne in der Schublade, den Pitztaler Gletscher mit den beiden Gletschern in Sölden zu verbinden und so eine riesige Skischaukel zu schaffen. Man will hier das größte Gletscherskigebiet der Alpen schaffen und seine Marktstellung beim Herbstskilauf festigen. Fraglich, ob man hier die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Werden die Skigebiete Sölden und Pitztaler Gletscher bald verbunden?

Vielleicht muss sich aber auch erst in den Köpfen der Skifahrer etwas ändern, um solchen Auswüchsen Einhalt zu gebieten. Mein Plädoyer im letzten Artikel, für den Frühjahrsskilauf, wäre möglicherweise ein Anfang. Dass man wieder dazu kommt, dann Skifahren zu gehen, wenn Schnee liegt und nicht dann, wenn uns von Marketingmenschen eingeredet wird, dass Schnee liegen würde.

Disentis – (Früh-)Sommerski am Vorderrhein

Ja, so kann Skifahren im Mai aussehen.

Zum ersten mal seit 1966 gibt es in NRW eine ganze Woche Pfingstferien. Nun sitze ich also bei schönstem Pfingstwetter in Bonn direkt am Rhein und denke doch ans Skilaufen. Obwohl bereits ein langes Himmelfahrtswochenende hinter den Rheinländern liegt und Temperaturen um die 30°C mehr zum Baden und Sonnen einladen, kann ich nicht unterschlagen, dass zu dieser Zeit 800 km Flussaufwärts am Vorderrhein und an der Rheinquelle noch Skigefahren wird.

Sowohl in Disentis wo der Vorderrhein zusammenläuft, als auch auf der anderen Seite des Oberalppasses der die Rheinquelle markiert, nämlich am Gemsstock bei Andermatt, werden zu Himmelfahrt und Pfingsten noch einmal die Lifte angeworfen. Natürlich ist der Betrieb zu den Frühlingsfeiertagen immer von den jeweiligen Schnee- und Wetterverhältnissen abhängig. Während man in Andermatt dieses Jahr noch Liftbetrieb bis Pfingsten anbieten konnte, ging sich dies für Disentis nicht mehr aus. Der warme Frühsommer forderte Tribut.

Dennoch ein Grund genug für mich, zurück zu blicken auf einen fantastischen Himmelfahrtstag in Disentis im Jahre 2012.

Mein letzter Besuch dort fällt also in die Zeit als ich noch in Konstanz studierte. Ich hatte erst kurz zuvor in Erfahrung gebracht, dass die Bergbahnen Disentis regelmäßig diese Art von Frühjahrsskilauf anbieten. Also beschloss ich, ein Auge auf den Schnee- und Wetterbedingungen zu behalten.

Am Tag vor Himmelfahrt wurde Disentis wurde Disentis mit bis zu 40cm Neuschnee bedacht und die Sonne sollte sich bald zeigen. Gut möglich, dass es einen solchen Tag die ganze Saison noch nicht gab, denn der Winter fiel in diesem Jahr, bis auf die Kältewelle im Februar, eher bescheiden aus. Spätestens mit diesen Prognosen war mir klar, dass ich den Feiertag zum Skifahren nutzen muss.

Sonnenaufgang über dem Bodensee

Und da ich unbedingt mit der ersten Gondel auf den Berg wollte, machte ich mich mit einer kurzen zeitlichen Kulanz, gegen 5 Uhr morgens von Konstanz auf den Weg ins westliche Graubünden. Kurz vor Acht an der Talstation angekommen, war es zunächst noch etwas nebelig. Die letzten Schneewolken hingen noch in den Bergen. Aber der frische Neuschnee glitzerte auch schon gelegentlich durch die aufgelockerten Wolkenfetzen.

Ich musste noch etwas auf die erste Fahrt warten. Mittlerweile hatten sich doch einige Skiverrückte auf dem Parkplatz eingefunden, so dass dann auch die erste Gondel auf den Berg komplett gefüllt wurde. Meter für Meter den sich die Kabine der Bergstation näherte stach immer mehr vom blauen Himmel hervor. Er sollte einen wunderbaren Skitag verheißen.

Bevor es aber auf die Piste gehen konnte, waren zunächst noch einige weitere Sektionen zu bewältigen.

Ein kurzer Fußmarsch war nötig – denn ein aufgebautes Förderband war bereits im Sommerschlaf – um zunächst zur Vierersesselbahn Caischavedra-Gendusas und im Anschluss daran, zur Sesselbahn Gendusas-Lai Alv zu gelangen. Bei den Verhältnissen fiel es allen Skifahrern sichtbar schwer an sich zu halten. Die Zeit im Lift wurde dann zum Großteil damit überbrückt, Selfies und Videos zu schießen um den selben Daheimgebliebenen die Zähne lang zu machen, die einen vorher noch dafür für verrückt erklärt hatten, zu dieser Jahreszeit noch Skifahren zu gehen.

Der Bereich Gendusas

Die zu bewältigende Liftkette verlangt aber tatsächlich Geduld, wenn unter dem Lift die unverspurten Tiefschneehänge locken. Seit Ende der regulären Saison um Ostern herum, haben sich nur ein paar vereinzelte Skitourengeher hierher verirrt. Der Neuschnee der letzten Tage war also nahezu unberührt und wartete auf mich und die Handvoll anderen Skifahrer im Lift.

In der Nacht haben 40cm Neuschnee Disentis in ein Tiefschneeparadies verwandelt

Sobald die Sesselbahn aber die ersten Gäste an der Bergstation ausspuckte, dauerte es auch nicht mehr lang bis die ersten Spuren in den unberührten Hang unterhalb der Sesselbahn gezogen wurden. Dieser stellt normalerweise eine präparierte mittelschwere Piste dar.

Lai Alv

Oberhalb von Lai Alv, das auf einer Höhe von ca. 2500m gewissermaßen den Mittelpunkt des Skigebietes darstellt, gibt es jedoch noch eine weitere Sektion. Der Schlepplift Péz Ault, dessen Bergstation sich auf einer Höhe von 2800m befindet, war am frühen Morgen allerdings noch nicht in Betrieb. So folgte ich also zunächst dem Beispiel der Sportler, die ich schon aus dem Lift beobachten konnte und wagte mich an den Tiefschneehang in Richtung Gendusas, der auf 2170m endet.

Zerfahrener Tiefschneehang mit Blick Richtung Oberalppass.

Da ich trotz der Vorhersagen dann doch nicht mit derart viel Neuschnee gerechnet hatte und zudem davon ausging, dass überall präpariert würde, hatte ich an dem Tag nur meine schmalen Ski dabei. Die Probleme die ich dann mit dem Tiefschnee hatte, lassen sich aber, wenn ich ehrlich bin, auf mangelndes technisches Vermögen meinerseits zurückführen. Ich hatte schon ein paar Probleme mich über „Wasser“ zu halten. Wobei Wasser hier der falsche Ausdruck ist. Trotz der starken Maisonne hielt der Schnee noch lange seinen trockenen, pulvrigen Aggregatzustand und firnte erst am Nachmittag richtig auf.

Als ich nach der ersten fordernden Runde wieder bei Lai Alv ankam, wurde endlich auch der Schlepplift zum Gipfel angeschmissen. Dieser bedient eine leichtere und vor allem präparierte Piste und bot mir somit Gelegenheit etwas zu entspannen und dabei das überwältigende Panorama zu genießen. Vormittags der Nebel im Tal, oben die frisch verschneiten Gipfel und dazwischen die Stauseen am Oberalppass.

Meine Mittagspause legte ich erst sehr spät ein, um noch möglichst lange, möglichst gute Bedingungen auf den Pisten zu erwischen.

Ein Pistenbully geriet im weichen Schnee in Probleme.

Auf der Hütte bei Lai Alv wusste ich dann aber auch, weshalb ich mir morgens noch die Kindersonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50+ ins Gesicht geschmiert hatte und sicherheitshalber noch die farbenfrohe Zinkpaste aus den 80ern mitgenommen habe. In Verbindung mit dem grellen Neuschnee war die Maisonne erbarmungslos zu milchgesichtigen Mitteleuropäern, die sich einredeten, an einem Tag in den Bergen könne nicht viel passieren. Lustig anzusehen war es jedenfalls. Und die Stimmung auf der Hütte war sehr gelöst und freundlich. Da ist man zur Hauptsaison manchmal auch anderes gewohnt, wenn selbst das Essenfassen einem Kampf gleich kommt. Schnitzel – Currywurst – Bolo – Weizen – Zack – Zack – Zack „Ist hier reserviert“? – „Ja, da sitzen mein Vollvisierhelm und mein Rückenprotektor“.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause dachte ich langsam daran, den Skitag zu beenden. Ich musste den Weg also wieder zurück über Gendusas und später Caischavedra nehmen.

Auch der Schlusshang nach Caischavedra war noch befahrbar.

Diesmal ersparte ich mir jedoch den schwierigen, und nun auch zerfahrenen direkten Hang unterhalb der Sesselbahn, den ich noch am Morgen befahren hatte. Ich entschied mich für die leichte und vor allem präparierte Außenrumabfahrt. Diese führte auch vorbei am – zu Himmelfahrt und Pfingsten leider geschlossenen – Sektor Dadens und Parlets. Dieser Sektor wird auch noch einmal durch eine Dreiersesselbahn und einen Schlepplift erschlossen. Er befindet sich in einer komplett eigenen Geländekammer. Etwas schade war es schon war es schon, dass der Bereich zu Himmelfahrt nicht dem Skipublikum geöffnet wurde. Aber angesichts der Jahreszeit und dem Gästeaufkommen doch verständlich.

Ins Tal musste man jedoch wieder die Kabinenbahn nehmen.

Bis nach Caischavedra, also zur Bergstation der Zubringer-Pendelbahn auf ca. 1850m konnte man sich mit angeschnallten Ski herabkämpfen. Der Schnee wurde allerdings immer schwerer und aufgeworfener. Als ich wieder unten am Parkplatz ankam, waren beinahe alle restlichen Autos schon wieder verschwunden. Ich hatte den Skitag wirklich voll ausgeschöpft. Er wird mir im Gedächtnis bleiben.

Leerer Parkplatz am Nachmittag.

Fazit zum (Früh-)Sommerskifahren allgemein:

Nun mag man sich also fragen, ob das denn wirklich sein muss. Mitte/Ende Mai Skifahren? Die großen Zeiten des Sommerskilaufes sind doch vorbei. Und überhaupt: Was ist mit dem Klimawandel? Was ist mit den schrecklichen Bildern von weißen Kunstschneebändern in brauner Landschaft? Ist sowas überhaupt vertretbar, oder einfach nur anachronistisch?

Wer seinen Freunden erzählt, er wolle im Mai Skifahren gehen, wird im besten Fall schräg angeschaut. Meist wird man jedoch für verrückt erklärt. Ganz rational gesehen ist der Mai aber sogar die weitaus bessere Zeit zum Skifahren als der Frühwinter.

Meist liegt im Mai jede menge Schnee. Meterhoch. Die Temperaturen sind angenehm und die Sonne lässt sich zuverlässig blicken und verschwindet nicht gleich um 2 Uhr hinter dem nächsten Bergrücken. Hinzu kommt, dass man sich die Pisten nicht mit tausenden anderen Skifahrern teilen muss.

Dagegen steht der Aufwand, der betrieben werden muss, um die Lifte schon Anfang Dezember öffnen zu können, völlig außer Verhältnis. Wenn die Schokonikoläuse in die Supermarktregale geräumt werden, steigt bei der breiten Skifahrermasse gleichsam das Verlangen, endlich wieder auf die Piste zu gehen. Für mich völlig nachvollziehbar nach einem meist viel zu langen Sommer.

Jedoch ist dies im November/Dezember auch die Zeit, zu der im Grenzbereich bei knapp unter 0°C die Schneekanonen angeschmissen werden müssen, um das lohnende Weihnachtsgeschäft abzusichern. Die Schneekanonen verbrauchen in dieser Zeit viel Strom, viel Wasser und doch birgt ihr Betrieb immer das Risiko, dass der ganze Aufwand umsonst gewesen sein könnte, wenn das berühmt berüchtigte Weihnachtstauwetter mal wieder voll durchschlägt.

Solche Auswüchse, die von den Wintersportorten trotz der bekannten Probleme von den Gästen erwartet werden, treiben gleichwohl auch die Preise in die Höhe. Ich habe mich daher mehr und mehr mit dem Gedanken angefreundet, nur noch dann Ski zu fahren, wenn es die natürlichen Schneeverhältnisse ohnehin zulassen würden. Und das ist allen Unkenrufen zum Trotz noch lange genug der Fall, wenn man nicht bereits Anfang Dezember die perfekten Pisten erwartet.

Wie ich selbst erleben durfte, kann man in den Hochlagen auch Mitte Mai noch hervorragend Ski fahren.

Salzberg Goldlauter im Thüringer Wald – Tief im wilden Osten

Eine meiner letzten Touren führte mich Mitte Januar tief in den wilden Osten. Genauer gesagt in den Thüringer Wald.

An der Talstation des Salzbergliftes – Man sieht nur das untere Drittel des Hanges

Der Wintersport hat im Thüringer Wald schon eine lange Tradition, nur sind es mehr die nordischen Disziplinen für die dieser Flecken Deutschland bekannt ist. Von herausragender überregionaler Bedeutung ist selbstverständlich der jährliche Biathlon Weltcup. Bis zu 60.000 Zuschauer pilgern alljährlich nach Oberhof um die Athleten und sich selbst zu feiern. Diese, unter deutschen Coutchkartoffeln, beliebteste aller Wintersportarten rückt die Region regelmäßig in den Blick der Öffentlichkeit. Wenngleich der alpine Bereich mitunter dahinter zurückstehen muss, hat sich gerade um Oberhof herum ein beachtliches Wintersportzentrum mit Loipen, Rodelbahnen, Sprungschanzen und sogar einer Langlaufhalle in der man auch im Sommer auf Schnee langlaufen kann, etabliert.

Skifahrer mussten in der Saison 2017/2018 vertröstet werden. Der geplante Umbau der Doppelsesselbahn am Fallbachhang zu einer fixgeklemmten Vierersesselbahn hat sich so verzögert, dass die alpine Wintersaison in Oberhof ins Wasser gefallen ist. Für ambitioniertere Skifahrer stellt dies gleichwohl keinen großen Verlust dar. Auch wenn er das Wintersportangebot Oberhofs abrundet, stellt er keine große Herausforderung dar. Die Entscheidung eine fixgeklemmte Doppelsesselbahn durch eine ebenfalls fixgeklemmte Vierersesselbahn zu ersetzen muss indes auch nicht weiter kommentiert werden. So kam dieser Hang für einen Besuch schon von vorneherein nicht in Frage.

Um 5 Uhr in der Frühe sattelte ich Bonn meinen treuen Begleiter mit den 69 PS auf, um der Sonne entgegen zu reiten. Dieser Winter war bis dahin zwar nicht sehr kalt, aber in den Höhenlagen der Mittelgebirge recht schneereich. Und auf viel Naturschnee ist der Lift den ich nun ansteuerte angewiesen. Der Salzberglift im suhler Ortsteil Goldlauter ist nämlich das exakte Gegenteil des erwähnten Fallbachhanges in Oberhof. Steil, rustikal, einzigartig.

380 Km Anfahrt für einen einzigen Skilift – Ökobilanz negativ (aber das ficht den Outlaw nicht an)

Aber ehe ich meine 69 Pferdestärken an dem Holzbalken der Talstation anbinden konnte, hatte ich noch vier Stunden Fahrt vor mir. 380 Kilometer für einen Skilift. An dieser Stelle hätte ich Verständnis dafür, wenn mich der ein oder andere für Verrückt erklärt. Rechtfertigend sei aber darauf hingewiesen, dass ich auf dem Rückweg noch einen Abstecher zu einem anderen interessanten Lift in der Rhön gemacht habe, dem an dieser Stelle ebenfalls bald ein eigener Beitrag gewidmet wird.

Die längste Strecke meiner Anreise verlief weitgehend schneefrei. Lediglich in den Hochlagen der Rhön und dann erst die letzten Kilometer vor Suhl hat sich der Winter gezeigt. Dafür dann aber richtig.

Wie so viele andere Orte der neuen Bundesländer hat Suhl seit der Wende einen nicht unerheblichen Teil seiner Einwohnerschaft verloren. Lebten hier vor der Wende noch über 50.000 Menschen, sind es heute nur noch ca. 35.000. Der Ort der im Sommer auch für sein Waffenmuseum bekannt ist, wird leider noch von einer Reihe DDR-typischer Plattenbauten dominiert, die sich so an die Hanglagen der Stadt schmiegen, dass sie nahezu immer im Blick des Betrachters verbleiben. Diese Bausünden beeinträchtigen ein wenig das sonst beschauliche Bild, welches die Stadt abgibt. Auf der anderen Seite sind sie aber auch Zeugen der Vergangenheit und somit Teil der Geschichte der Stadt.

Auf dem Weg zum Skilift am Salzberg lässt man diese allerdings hinter sich und man durchfährt den dörflichen Ortsteil Goldlauter. Der Schnee an den Straßenrändern türmte sich immer höher und die Straßen wurden enger und enger je näher ich meinem Ziel kam. Irgendwann begann ich mir sorgen zu machen, ob ich es mit meinem Gefährt überhaupt schaffen würde.

So stand ich Greenhorn mit meinem Fiat irgendwann vor einer schier unüberwindbaren weißen Mauer, die irgendwo am Horizont in dem Waldstück mündete, das die letzten 500 Meter vor dem Lift markiert. Ich stieg aus und bat einen schneeschippenden Gringo um Rat. Auf meine Frage, ob es denn die restlichen Meter so steil weiter gehen würde, antwortete er mir nur, dass es mit Winterreifen und ein wenig Anlauf schon schaffen würde. Bis jetzt sei noch (fast) jeder da hoch gekommen. Also nahm ich all meinen Mut zusammen, drückte das Gaspedal ganz durch und fand mich zwei Minuten später tatsächlich am Parkplatz des Liftes wieder.

Dennoch sind Winterreifen bei der schmalen und engen Anfahrt eine dringende Empfehlung. Noch kriminellere Anfahrten habe ich nur in den belgischen Ardennen erlebt. Dazu dann auch irgendwann mehr.

Vom Volkseigenen Betrieb zum Alpine Skiclub

Der Salzberglift befindet sich in einem engen Talkessel westlich des Großen Eisenberges und nicht weit entfernt von der höchsten Erhebung des Thüringer Waldes, dem 983 Meter hohen Großen Beerberges.

Er wird betrieben vom 1991 gegründeten Alpine Skiclub Goldlauter und finanziert sich wohl zum Großteil aus den Mitgliedsbeiträgen der Mitglieder und Spenden. Somit ist es dem ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder zu verdanken, dass wir heute noch an einem solchen Lift Skilaufen können. Der verkauf von Liftkarten dürfte für einen kostendeckenden Betrieb jedenfalls nicht ausreichend sein. Diese Einschätzung bestätigte mir auch eines der vielen freundlichen Skiclub Mitglieder mit dem ich während der Schleppliftfahrt ins Gespräch kam.

Vor der Wende wurde der Lift noch im Rahmen eines volkseigenen Betriebes geführt. So ist die Anlage auch aus technischer Sicht keinem der großen Hersteller zuzuordnen, den man aus den Skigebieten der Alpen oder der anderen westlichen Mittelgebirge kennt. Der Lift ist ein lupenreiner DDR-Eigenbau. Während der Dieselmotor durch eine Öffnung außerhalb des Lifthauses seine Arbeit verrichtet, sind die Stützen des Liftes in einem freundlichen blau gehalten und die Anker mit gemütlichen Holzbalken versehen.

An der Bergstation des Liftes muss man ein wenig aufpassen, den Bügel nicht zu früh los zu lassen

Der Lift hat eine Länge von gut 900 Metern und überwindet auf dieser Strecke etwa 230 Höhenmeter. Damit ist er der längste und steilste Thüringens. Dementsprechend schlägt auch eine verhältnismäßig lange Liftfahrt zu Buche. Mit einer Hochgeschwindigkeitsanlage neueren Zuschnitts kann sich der Lift ohnehin nicht messen. So bleibt während der Fahrt dann auch genug Zeit um sich den Hang noch einmal genauer anzuschauen und gegebenenfalls Zweifel zu entwickeln.

Bei meinem Besuch ist am Tag zuvor viel Neuschnee gefallen; man hatte die Piste das letzte mal vor zwei Tagen grundpräpariert. Also lagen bei kalten Temperaturen gute 30 Zentimeter frischer, trockener Pulverschnee auf ca. 50 Zentimeter komprimiertem Altschnee. Besser konnte es gar nicht sein. Der Haupthang ist grob in vier Abschnitte einzuteilen. Direkt nach dem Ausstieg in zirka 830 Meter höhe muss man zunächst einige Meter anschieben ehe man zum eigentlich Einstieg in die Piste gelangt. Von dort aus offenbart sich dem eher mittelmäßig versierten Skifahrer wohl das erste mal, dass die kommende Abfahrt vielleicht doch mit den ein oder anderen Schwierigkeiten verbunden sein könnte. Am Starthang geht es nämlich direkt einmal steil in einer geraden Linie runter auf halbe Höhe. Hinzu kam an jenem Tag eben der Tiefschnee, der im weiteren Tagesverlauf zu einer gewissen Buckelbildung beitrug.

Am Gipfel lag viel frischer Neuschnee

Hat man diesen Starthang hinter sich gelassen, kann man sich erstmal etwas Zeit zum Verschnaufen nehmen. Auf halber Höhe des Liftes wird es nämlich zunächst ein bisschen sanfter. Am Seitenrand deuten ein kleines Lifthäuschen und eine Stahlkonstruktion an, dass der Lift zumindest in der Vergangenheit über eine Zwischenstation verfügt haben könnte. Entweder um sich den oberen steilen Abschnitt zu sparen, oder etwaigem Schneemangel im Tal auszuweichen. Wie schon einmal erwähnt, war das am Tag meines Besuches kein Problem. Ein Local mit dem ich mich im Lift unterhielt, schätzte die Schneelage am Gipfel auf einen guten Meter.

Der Mittelteil des Hanges ist etwas flacher
Ein ehemaliger Zwischenaus- oder -einstieg?

Freeride Mekka des Thüringer Waldes

Gerade die Locals nutzten die überaus gute Schneelage auch dafür, Abstecher in die verschneiten Wälder links und rechts des Haupthanges zu unternehmen.

Ohnehin scheint Goldlauter das Freeride Mekka des Thüringer Waldes zu sein. Hier begegnete ich immer wieder Telemarkern und Locals mit Fatski die in die teils dichten und teils lichten Wälder abbogen. So erklärte mir einer von ihnen auch die zahlreichen Varianten die man einschlagen kann. Ich habe nur die zwei wesentlichen Routen in meinen Plan eingetragen und selbst nur ein kurzes Stück links des Starthanges ausprobiert. Da ich nicht mit solch genialen Verhältnissen rechnete, nahm ich meine alten „Steinski“ mit.

Pistenplan Salzberg – Goldlauter

Bei den Routen sei jedoch darauf hingewiesen, dass es sich dabei keinesfalls um offizielle Pisten handelt. Ohne Ortskenntnisse und vor allem exzellente Skibeherrschung ist von einem Ausritt in die Wälder auf jeden Fall abzuraten.

Wer es gemütlicher mag, auf den wartet an der Talstation natürlich ein Saloon. Auch wenn es die Siedler hier Liftbaude nennen, lädt sie gleichwohl zum Verweilen Essen und Trinken ein. In der Nähe der Liftbaude steht auch die einzige Schneekanone des Hanges. Ausweislich der Homepage (www.skilift-goldlauter.de) wurde die Beschneiungsanlage für den Skihang 2001 genehmigt. Ob die Anlage aber tatsächlich feuert wenn es die Temperaturen zulassen, da war ich mir nicht sicher, so einsam wie die Kanone am Pistenrand herumstand. Für die Wasserversorgung würde jedenfalls die Lange Lauter herhalten; der Bach der sich hier durch das enge Tal schlängelt.

Die einsame Schneekanone

Dieses Tal war vor noch gar nicht all zu langer Zeit Teil von Gedankenspielen, den Salzberglift mit dem Lift in Schmiedefeld auf der östlichen Seite des Großen Eisenberges zu einer Skischaukel zu verbinden. Wenngleich Thüringen damit auf einen Schlag ein ausgewachsenes Skigebiet erhalten würde, bin ich nicht böse darum, dass diese Pläne eingeschlafen zu sein scheinen. Mit dieser Skischaukel würden zwei unvereinbare Welten aufeinanderprallen. Auf der einen Seite Schmiedefeld mit seinen vielen Anfängern die an dem leichten Lift optimale Bedingungen vorfinden und auf der anderen Seite Goldlauter mit seinen ambitionierteren Skifahrern.

Es bleibt zu hoffen, dass uns dieses skifahrerische Kleinod in dieser Form noch lange erhalten bleibt. Wenn die Vereinsmitglieder weiterhin so engagiert bei der Sache sind, mache ich mir da aber wenig Sorgen.

Pfänder – Schicksalsberg der Skiurlauber

Pfänder Pistenplan

Obwohl ich mich in diesem Blog ausdrücklich mit den unbekannten Wintersportorten beschäftigen möchte, ist der Name Pfänder wahrscheinlich jeden Wintersportler aus dem süddeutschen Raum ein Begriff. Die meisten verbinden mit diesem Namen wohl eher negative Assoziationen. Auf dem Weg in die großen vorarlberger oder tiroler Skigebiete, haben schon viele Wintersportler kostbare Urlaubszeit unter oder vor diesem Berg verbracht, der dem Tunnel seinen Namen verleiht.
Tag für Tag durchfahren bis zu 40.000 Fahrzeuge den Pfändertunnel. Auch wenn die ganz großen Staus, seit der Eröffnung der zweiten Röhre im Jahre 2012 der Vergangenheit angehören, hat der Pfändertunnel zumindest in den Köpfen der Touristen nichts an Schrecken verloren.
Den wenigsten Fahrzeuglenkern dürfte bei der Durchfahrt bewusst sein, dass sich bei winterlichen Verhältnissen über ihren Köpfen ganz andere Szenen abspielen. Während sich unten die Autos der Touristen und der Pendler durch den Tunnel schieben, genießen andere, zu diesem Zeitpunkt vermutlich glücklichere Menschen, auf den Pisten am Pfänder die grandiose Aussicht auf den Bodensee und den Bregenzer Wald.

Zugestanden sei, dass der Pfänder im Sommer, als Wander- und Aussichtsberg, vielleicht doch einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt. Als Wintersportberg haben ihn dennoch nur wenige auf der Rechnung.
Zu Unrecht wie ich meine. Die winterlichen Qualitäten des Berges lernte ich selbst aber auch erst aus reiner Verlegenheit kennen. Mein Besuch am Pfänder fiel in die Zeit, als ich in Konstanz am anderen Ende des Bodensees studierte. Wie so oft schlief ich etwas länger, ehe ich, nach einem Blick aus dem Fenster auf die verschneiten Straßen, spontan beschloss, den Tag doch noch sinnvoll zu nutzen. Für die großen Skigebiete im Allgäu oder Graubünden war es schon zu spät. Ich hätte mindestens zwei Stunden gebraucht um dort anzukommen. Also waren Alternativen gefragt.
Ich erinnerte mich an einen alten zerfledderten Skiatas aus den Siebzigern, den ich auf dem Dachboden meiner Eltern gefunden habe. Dort waren auf einer Übersichtskarte des Bregenzerwaldes auch einige Lifte auf dem Pfänder verzeichnet. Das müsste ich in einer vertretbaren Zeit schaffen. Also prüfte ich auf der Website des Pfänders, ob die Lifte überhaupt noch stehen und in Betrieb sind. Meine Erkenntnis: Viel schien sich seit dem nicht verändert zu haben. Also war die Sache klar.
Der Pfänder sollte seine Chance bekommen. Der Routenplaner spuckte mir eine Fahrzeit von 45 Minuten aus.
Sodann sattelte ich meinen italienischen Sportwagen (der heute übrigens immer noch zuverlässig seine Dienste verrichtet) und setzte mich in Bewegung.

Mein aufgesattelter Fiat 500 vor Abfahrt in der konstanzer Fußgängerzone

Ich habe es tatsächlich in der versprochenen Dreiviertelstunde geschafft und stand nun gegen 10 Uhr an der Talstation, gespannt, was mich erwarten würde.

Von der Festspielstadt Bregenz aus, überwindet die Kabinenbahn gute 600 Höhenmeter zum Gipfel des 1064 Meter hohen Pfänders. Wenn man dann wie ich mit Wintersportgerät an der Talstation steht, muss man gegebenenfalls damit rechnen, einige Blicke auf sich zu ziehen. Denn auch bei guter Schneelage tragen die meisten Gäste eher Wander-, als Skischuhe. So muss man sich als Skifahrer aber von Wartezeiten oder einer vollen Kabine denn auch nicht beunruhigen lassen. Die Pisten sind in der Regel alles andere als überlaufen. Das schlimmste was einem passieren kann, ist, das nächste Fotomotiv einer asiatischen Touristengruppe zu werden.
Während man auf die nächste Kabine wartet, kommt man nicht umhin, mit der langen Geschichte dieser Seilbahn konfrontiert zu werden. Neben den historischen Fotos und Plakaten, legt schon die Talstation selbst Zeugnis davon ab. Die Bahn wurde schon 1927 als eine der ersten Seilbahnen Österreichs errichtet und zuletzt 1994 auf den neuesten technischen Stand gebracht.

Das altehrwürdige Talstationsgebäude der Pfänderbahn

Wenn dann die Kabine in die Talstation einfährt und man zu den glücklichen 80 Personen zählt, die nun auf den Berg befördert werden, empfiehlt es sich, einen Platz an der talseitigen Scheibe zu suchen. Dort wird man sicherlich mit dem besten Ausblick belohnt. Als ich während der Bergfahrt so auf Bregenz und den Bodensee herabblickte, wähnte ich mich beinahe schon an einem norwegischen Fjord. Nun war ich leider noch nie an einem norwegischen Fjord und Kenner mögen einwenden, dass die Uferlinie der Originale wohl etwas schroffer und beeindruckender sind; ich bildete mir aber trotzdem ein, irgendwo nördlich des 59° Breitengrades zu verweilen.

Fjordfeeling am Bodensee

Wer nicht das Glück hat, dieses Panorama schon bei der Auffahrt genießen zu können, weil er möglicherweise nur noch einen Platz am anderen Ende der Kabine ergattern konnte, der könnte aber möglicherweise dennoch auf seine Kosten kommen. Nämlich dann, wenn er sich für Architektur interessiert.
Am westlich ausgerichteten Fuße des Pfänders schmiegen sich große und prächtige Villen aller architektonischen Stilrichtungen an den Hang. So kann man, während man über den Wert dieser Immobilien rätselt, ihren Besitzern gleichzeitig in den Vorgarten schauen; was den Wert dieser möglicherweise gleich wieder reduziert. Aber weshalb sollte ich mir solche Gedanken machen? Ich war zum Skifahren hier.

Die Seilbahn wartet im oberen Abschnitt mit einer kleinen Besonderheit auf. Bei der letzten Stütze vor der Bergstation handelt es sich um eine Portalstütze, die man sonst nur von älteren Schleppliften kennt. Hier natürlich etwas größer dimensioniert.

Die seltene Portalstütze im dichten Schneetreiben

Die Bergstation selbst befindet sich wenige Meter unterhalb des Gipfels. Ich stieg aus, schaute mich um, identifizierte einige Alpengipfel die man bei guter Sicht auch schon von Konstanz aus sehen konnte, machte einige Fotos und schnallte mir die Ski an die Füße.

Auch das Bregenzerwald-Panorama kann beeindrucken

Bei aller Liebe zum Drumherum, wollte ich dann doch endlich die ersten Schwünge in den Schnee ziehen.
Dafür musste ich/muss man, zunächst am Rande des Tierparkes herab zu den Dohleliften fahren. Der Tierpark ist auch im Winter geöffnet, was den Skifahrer als solchen aber erst einmal nicht stört. Da es aber keinen Lift zurück gibt, fragt man sich hier unweigerlich, wie man später wieder zurück zur Bergstation gelangen soll.

Die Gipfelaufbauten des Pfänders

Es gibt zwei Möglichkeiten, von denen mir eine deutlich angenehmer erschien. Entweder man läuft das kurze Stück hoch, oder man nimmt, vorausgesetzt die Schneeverhältnisse lassen es zu, gleich die Talabfahrt bis Bregenz um sich sodann wieder mit der Seilbahn bequem zum höchsten Punkt befördern zu lassen.
Die Dohlelifte selbst, die auch den Rand des eigentlichen Skigebietes markieren, stellen für den geübten Skifahrer keine große Herausforderung dar. Sie dienen vor allem als Zubringer zum Maldonalift und zur Talabfahrt. Für Beginner sind die kurzen Dohlelifte trotzdem gerade Recht. Zudem befindet sich in unmittelbarer Nähe zu dem gedoppeltem Lift auch die Dohlehütte und die stark frequentierte Rodelmulde. Hier trifft sich zur Mittagszeit die ganze Familie. Ob Skifahrer, Rodler oder einfach nur Winterwanderer. Ein jeder muss irgendwann hier vorbei und so nutzen viele die urige Hütte für eine Pause.

Die Dohlelifte vor hochalpiner Kulisse

Ich ließ die Hütte bei meinem Besuch zunächst trotzdem links liegen, wollte ich doch erst einmal die Piste am Maldonalift unter die Ski nehmen. Vor allem um mich zu vergewissern, dass man von hier aus tatsächlich auch den See sehen kann. Das war ja einer der wesentlichen Gründe, weshalb ich mir von dem doch eher kleine Gebiet viel versprach.
Ich wurde nicht enttäuscht. Schon nach einer kleinen Kurve um den Wald, kommt der beeindruckende Bodensee in Sichtweite.

Wie ich schon beschrieb, wähnt man sich auch hier an einem norwegischen Fjord und glaubt, hinter der nächsten Kuppe in den See springen zu können, wenn man nur genügend Anlauf nimmt. Das Erlebnis auf dieser Abfahrt ist wirklich einmalig. Aber auch wen dieser atemberaubende Anblick kalt lassen sollte, wird auf der Abfahrt am Maldonalift Freude haben. Die angenehm geneigte Piste ist interessant trassiert und ist dazu verhältnismäßig lang. Der Sektor am Maldonalift stellt damit das Kernskigebiet am Pfänder dar.

Der obere Teil der Maldonaabfahrt

Auf halber Höhe der Abfahrt kommen schon wieder die ersten Häuser in Sichtweite. Dabei handelt es sich aber mitnichten um Bregenz, sondern um eine eigene kleine Siedlung direkt am Berg. Wo man von der großen Seilbahn aus nur in die Vorgärten der Hausbesitzer schauen kann, fährt man am Maldonalift direkt quer durch eben diese. Auch eine Erfahrung die ich in dieser Art noch nicht all zu häufig machen durfte. Dementsprechend gemütlich und privat ist auch das Flair dieser Ecke. Den Trubel und die Hektik der großen Skigebiete wird man hier nicht finden.

Die Talstation des Maldonaliftes vor dem Bodensee

Der Talstation des Maldonaliftes, die sich unauffällig an das untere Ende der Siedlung anschließt, sieht man an, dass sie in der Vergangenheit noch einer anderen Konstruktion Obdach gegeben haben muss. Zumindest in den Sommermonaten drehte hier auch ein Sessellift seine Runden. Nun wird der Lift nur noch im Winter als Schlepplift genutzt.
Durch ein längeres Waldstück wird man wieder nach oben gezogen. Von dort nahm ich dann die Talabfahrt in Angriff. Diese wird je nach Schneesituation präpariert, oder als Route ausgesteckt. Da bei meinem Besuch genug Schnee lag, war sie präpariert.
Der oberste Abschnitt der Abfahrt hat dabei allerdings eher noch einen Fortswegcharakter und es geht sanft dahin, ehe die Piste einen Linksknick macht und über einige interessante Hänge und Schneisen geradewegs auf Bregenz und den Bodensee zuläuft. Da sich sowohl Skifahrer, als auch Rodler die Piste teilen, ist Vorsicht geboten, will man keinen Zusammenstoß riskieren.

Die Talabfahrt führt direkt auf den Bodensee zu

Erwähnte ich eingangs, dass den wenigsten Autofahrern bewusst sein dürfte, dass sich über ihren Köpfen ein kleiner Skizirkus abspielt, gilt dies wohl auch umgekehrt. Von der atemberaubenden Aussicht auf das schwäbische Meer abgelenkt, wird man erst wieder auf dem unteren Abschnitt der Talabfahrt darüber gewahr, dass sich ein paar hundert Meter tiefer, LKW-Fahrer Stoßstange an Stoßstange durch den Pfändertunnel schieben und ungeduldige Kinder gegen die Rücksitze ihrer Eltern treten. So steht am Pistenrand ein Bauwerk, dass eigentlich nicht so in die Bergwelt passen will. Es handelt sich dabei aber um einen Lüftungsschacht des über sechs Kilometer langen Tunnels.

Bleibt noch die Frage: Wie sieht es mit der Schneesicherheit aus? Die Höhenlage zwischen 400 und 1000 Meter verspricht, gerade in Zeiten den Klimawandels, natürlich keine langfristig planbaren Verhältnisse. Auch über Schneekanonen verfügt man am Pfänder nicht. Hinzu kommt die Lage direkt am Bodensee. Hier ist es meist ein bis zwei Grad wärmer als in den umliegenden Regionen gleicher Höhenlage.
Dieser vermeintliche Lagenachteil schlägt bei einigen Wetterlagen jedoch in einen veritablen Vorteil um. Für Niederschläge aus nordwestlicher Richtung stellt der Pfänder das erste wirkliche Hindernis dar, was dazu führt, dass bei entsprechend kalten Temperaturen auch viel Schnee am Pfänder abgeladen wird. Bei solchen Wetterlagen können sich die gemessenen Schneemengen der Ortschaften am Bodensee erheblich voneinander unterscheiden. Wenn in Konstanz oder Friedrichshafen am nordwestlichen Bodenseeufer 10 Zentimeter Schnee gefallen sind, kann sich Bregenz direkt am Fuße des Pfänders schon mal über satte 40 Zentimeter freuen. Direkt am Berg dann dementsprechend mehr.
Spätestens seit Jörg Kachelmann wissen wir auch, dass der sogenannte „Lake-Effekt“ dazu führen kann, dass sich aufsteigendes warmes Wasser des Bodensees am Pfänder als Schnee niederschlägt, wenn rundherum von Niederschlägen eigentlich keine Spur ist. Dass dieser Effekt an den Great Lakes in Nordamerika etwas beeindruckender ausfallen mag, sei einmal dahingestellt.
Langfristige Planungen eines Skitages am Pfänder sollte man also vermeiden, wenn man nicht auf eine, zweifelsohne schöne, Wanderpartie beschränkt sein möchte. Jedoch lohnt es sich mitunter umso mehr, immer einen Blick auf die aktuellen Verhältnisse zu behalten um diese dann kurzfristig für sich nutzen zu können.
Gerade Urlauber die sich auf dem Weg in die großen Skigebiete befinden und ohnehin am Pfänder vorbei kommen, könnten bei einem Abstecher zum Pfänder mit einem schönen Skierlebnis belohnt werden.